Let’s Plays vs. Livestreams: Gamingcontent mit oder ohne Live-Publikum

Während ich mir inzwischen meine tägliche Dosis des Formats „Let’s Play“ bzw. Kommentierten Gaming-Walkthroughs gebe, beobachte ich, wie  sich parallel dazu ein ganz anderer Trend entwickelt, der aber auf dem selben Prinzip aufbaut: Gaming- Livestreams! Während also andere sich noch ihre Let’s Play-Existenz auf YouTube aufbauen wandern einige immer mehr in Richtung Streaming-Plattformen, wie twitch.tv oder own3d.tv.

Zum Inhalt

Bei Let’s Plays wie bei Livestreams in diesem Bereich steht das kommentierte Gaming im Vordergrund. Es wird Live das Voranschreiten in einem Videospiel geboten. Untermalt von den oft witzigen und geistreichen Sprüchen des Kommentators, Moderators, Streamers. Um welche Art Spiel es sich dabei handelt bestimmt der Streamer entweder im Voraus und kündigt dieses meist auch in einem Infovideo auf YouTube an oder wechselt einfach während des Streams völlig spontan. Der Streamer ist sein eigener Programmchef. Doch beschränken sich die Streams nicht nur darauf. Das Live-Senden ermöglicht natürlich den direkten Kontakt zu einem Publikum, dass entweder per IRC- oder plattforminternen Chat, sowie über die gängigen, sozialen Netzwerke eingebunden wird. Dieser Input erlaubt es natürlich gezielt auf Fragen einzugehen und gegebenenfalls Abstimmungen über das zu zeigende Spiel zu starten.  Allerdings greife ich hier nun schon etwas voraus. Lasst uns deshalb zum eigentlichen Grund dieses Artikels voranschreiten. Den direktem Vergleich zwischen Livestreams und Let’s Plays. Dabei gehen wir bei beiden Formaten davon aus das die Qualität ansprechend und dem aktuellen Standard entspricht (HD, kein übersteuerter oder zu leiser Ton)

Let’s Plays

Betrachten wir zunächst das nun inzwischen etablierte Format der Let’s Plays. Wobei hier die Rede von den vorproduzierten YouTube-Videos sein soll, die in regelmäßigen Abständen auf die entsprechende Plattform hochgeladen werden.

Vorteile:

– Dank Video-Plattformen jederzeit on demand abrufbar
– Erlauben bei Bedarf die Schaltung von Werbung und somit finanzielle Einnahmen
– Video-Ranking-Möglichkeiten für die Community
– Qualität lässt sich bereits durch geringfügigen Investitionen für das Equipment verbessern sind aber nicht zwingend notwendig
– Verschiedene Broadcastqualitäten werden von den Plattformen unterstützt und selbst getragen
– Zahlreiche Möglichkeiten das Format in der Post-Produktion gestalterisch anspruchsvoll aufzubereiten
– Lassen sich völlig selbstständig von einzelnen Broadcastern produzieren
– Große Mengen an Videomaterial können im Vorfeld produziert und später veröffentlicht werden

 Nachteile

– hoher Produktionsaufwand bei regelmäßiger, kontinuierlicher Veröffentlichung der Videos. Wobei der Aufwand entsprechend den Ansprüchen des Let’s Players steigt.
– hohe Rechnerleistung sowie Bandbreite verbessern den Verarbeitungsprozess
– Uploadzeiten sind u.a. abhängig von der Videoplattform

Livestreams

Vorteile:

– Erlaubt sehr starke, direkte Einbindung der Community
– Dank der Möglichkeit diese Aufzuzeichnen und anschließend auf Video-Plattformen hochzuladen jederzeit on demand abrufbar
– Video-Ranking-Möglichkeiten für die Community
– Erlauben bei Bedarf die Schaltung von Werbung und somit finanzielle Einnahmen
– Qualität lässt sich bereits durch geringfügigen Investitionen für das Equipment verbessern sind aber nicht zwingend notwendig bzw. bauen auf dem Equipment für Let’s Plays auf
– Verschiedene Broadcastqualitäten werden von den Plattformen unterstützt
– Keine Upload- oder Bearbeitungszeiten
– Keie festen Sendezeiten: Der Streamer kann streamen wann und vor allem, wie lange er will

 Nachteile

– Es gibt keine Möglichkeit die Inhalte zu schönen. „What you see is what you get“. Wer als Let’s Player gerne mal schummelt und Off-Screen Spielehilfen etc. verwendet um durch die Spiele zu kommen wird Live auf wenig Gegenliebe vom Publikum stoßen
– Durch den Live-Charakter ist ein „Versenden im Netz“ möglich [Anm.: Damit ist das typische „Das versendet sich schon!“ gemeint, dass Medienschaffende gerne nutzen, um z. B. einen Produktionsfehler zu rechtfertigen. In der Hoffnung den Produktionsaufwand geringer halten zu können]. Solange der Stream nicht aufgezeichnet und anschließend bereitgestellt wird, besteht die Möglichkeit Inhalte zu verpassen da diese, wie beim Fernsehen, nicht wiederholt abrufbar sind.
– Verschiedene Broadcastqualitäten müssen vom Streamer selbst getragen werden und sind stark abhängig von der Rechenleistung und Bandbreite
– teilweise werden höhere Streamingqualitäten erst mit Partnerschaften auf den Plattformen freigeschaltet
– Bei höherer Communityeinbindung werden Moderatoren für den Chat benötigt
– Gestalterische Ausarbeitung des Streams muss im Vorfeld passieren da eine Post-Produktion komplett wegfällt

Fazit

Der Status Quo ist folgender: vor allem etablierte Let’s Player nutzen Livestreams dazu aktiver und näher mit ihrer Community in Kontakt zu treten. Viele setzen auch viel Wert darauf mit der Community regelmäßig zusammen spielen zu können und andere daran Teil haben zu lassen. Wer bei Let’s Plays das Gefühl hat seinem großen Bruder oder der Schwester beim Spielen zuzusehen, bekommt bei Livestreams gleich den ganzen virtuellen Freundeskreis geboten.  Der Spaßfaktor von Livestreams kann, je nach Ausdauer und Engagement des Streamers, den eines Let’s Plays bei weitem übertreffen. Dazu trägt vor allem der zeitnahe Austausch bei, der sonst nur in den Videokommentaren stattfinden würde.
Die Möglichkeit, die Streams aufzuzeichnen und einfach, wie ein Let’s Play zu veröffentlichen sorgt dafür, dass man trotz des Live-Broadcasts nichts verpasst und die on demand-Leistung nach wie vor gewährleistet ist. Einzige Einschränkungen sind nach wie vor die eigene Rechenleistung sowie Internetverbindung [davon ausgehend, dass hier jeder in der Lage ist einigermaßen vernünftig zu moderieren 🙂 ]. Ich selbst sehe ein großes Potential dafür, dass Livestreams ob nun im Gamingbereich oder in anderen Formaten zukünftig einen Großteil unseres sozialen Austauschs und unserer Unterhaltung ausmachen könnten. Auch YouTube scheint dies so zu sehen, wie die schon etwas weiter zurückliegende Implementierung von Google-Hangouts als Livestream-Komponente von YouTube zeigt. Wann YouTube selbst letztendlich konkurrenzfähig zu Streamingplattformen, wie twitch.tv ist, bleibt allerdings abzuwarten. Im Großen und Ganzen genieße ich derzeit allerdings dennoch den Mix. Mich alternativ on demand bespielen zu lassen und dies auch mal in Ruhe ohne Community zu tun, ist schließlich auch mal ganz angenehm.

Wie sieht es bei euch aus? Welche Livestreams schaut ihr regelmäßig? Habe ich vielleicht ein Argument vergessen oder eurer Meinung nach an die falsche Stelle gesetzt? Lasst es mich wissen!

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