Vom Livestreamen und seinen Tücken…

Gerade bei jüngeren bzw. neueren (von mir aus auch kleineren) Livestreamern treten, meiner Meinung nach, oft falsche Vorstellungen über Dinge, wie die eigentliche Motivation des Streamens, die Aktivität im Chat oder das hinzugewinnen von neuen Zuschauern auf. Ich hoffe dadurch, dass ich einige Erkenntnisse hier weitergebe, den einen oder anderen Broadcaster zum Nachdenken anzuregen und dafür zu sorgen, dass die Streaminglandschaft schon bald um einige gute Streamer reicher wird. Denn viele Aspekte sorgen im Grunde dafür, ob eure Zuschauer euch gewogen sind oder eben nicht.

REGELN

Jedem Streamer ist es prinzipiell selbst überlassen, wie er seinen Streamingkanal und den Chat administriert. Wenn ihm zum Beispiel der übermäßige Gebrauch von Smileys oder das bewusste Spoilern im Chat stört, dann lässt er diese eben offen einsehbar verbieten und sorgt dafür, dass die Moderatoren des Chats bei Missachtung entsprechend handeln. Dieses Vorgehen ist allgemein anerkannt und völlig legitim.
Wichtig ist jedoch, dass man sich als Streamer selbst an seine Regeln hält. Wenn man gewisse Inhalte, Diskussionen oder Elemente  nicht haben will, sollte man selbst vermeiden die Regeln zu brechen und dann noch trotzdem andere Nutzer, auf ungerechte Art, zu strafen. Denn auch im Bereich des Streamings mag niemand Tyrannen. Gerechtigkeit und Toleranz sind wichtige Schlüssel zu einer guten Community.

ANWESENHEITSPFLICHT UND CHATZWANG

Geringe Zuschauerzahlen sorgen gerade am Anfang für zwei negative Aspekte. Es gibt Streamer, die schnell demotiviert werden und einfach aufhören dem Hobby nachzugehen. „Warum sollte ich auch streamen, wenn eh niemand zusieht?“
Oder aber sie wollen direkt hoch hinaus und üben somit einen Druck auf sich selbst und leider auch auf ihre Zuschauer aus, der sich letztendlich nur negativ auf die Stimmung und schlussendlich auf die Qualität des Streams auswirkt.
Letzteres spiegelt sich vor allem durch die wiederholte Aufforderungen des Streamers an die Zuschauer wieder, im Chat aktiv zu sein oder aber auch das permanente Benachrichtigen von Freunden, dass man gerade dabei sei zu streamen, obwohl diese das schon längst über soziale Plattformen oder ihre Abo-Benachrichtigung mitbekommen haben und sich einfach nur aus Desinteresse oder Zeitmangel gegen das zusehen entschlossen haben.
Viele Streamer leiden leider unter der Vorstellung das jeder Abonnent oder Follower sich mit Druck auf den entsprechenden Button sofort dazu bereit erklärt, bei jedem Stream anwesend zu sein und den Chat mit Redundanz zu überfluten. Dem ist aber nicht so. Tut mir Leid euch da desillusionieren zu müssen. Hört auf euch gleich am Anfang so verrückt zu machen und entspannt euch einfach. Dies sorgt für eine gute Grundstimmung und so werden die Leute euch auch gerne zusehen. Es dauert eben bis man sich eine zahlreiche Zuschauerschaft angeeignet hat. Teilweise Monate oder aber auch Jahre. Und wenn mal einer eurer engsten Freunde nicht bei einem Stream anwesend ist, muss man das nicht persönlich nehmen. Nicht jeder hat immer genau dann, wenn ihr streamt, die Zeit oder aber auch die Lust, sich diese anzusehen.

NACH 22 UHR LASS ICH DIE SAU RAUS…

Einige Streamer und Chatter haben es sich zur Angewohnheit gemacht, nach 22 Uhr sämtliche Hemmungen fallen zu lassen. Von pornografischen und obszönen bis hin zu gewaltverherrlichenden Inhalten ist ab 22 Uhr ihrer Meinung nach alles erlaubt. Dieser Trugschluss stammt aus dem TV-Bereich, wo die Altersbeschränkung des Jugendschutzes umgesetzt wird, in dem man Inhalte ab 18 Jahren erst nach 22 bzw. 23 Uhr ausstrahlt.
Mal davon abgesehen, dass in unserer modernen Zeit viele Minderjährige auch nach 22 Uhr noch Zugang zum Internet haben, lässt sich diese Lösung leider nicht so pauschal auf Streams umsetzen, da die meisten Streamingplattformen, wie zum Beispiel twitch.tv den Stream im Nachhinein im Video on demand anbieten. So kann jeder Minderjährige sich jederzeit den Stream anschauen, solange das Video nicht manuell vom Accountinhaber oder nach einigen Wochen von der Plattform automatisch gelöscht wird.
Eine Möglichkeit, die oft angeboten wird ist eine Altersabfrage bzw. einen Hinweis auf explizite Inhalte vor den Stream zu schalten. Aber wenn wir mal ehrlich sind, dann hat das bestimmt einige von uns auch noch nie abgehalten. Somit wäre man als Streamer pauschal rechtlich abgesichert doch bleibt die Frage, ob man sich nicht auch in einem öffentlichen Stream etwas zurückhalten sollte. Denn bestimmte Inhalte sind manchmal eben…

NICHT JEDERMANS SACHE

Auch auf der Seite der Inhalte kann man viel falsch machen. Hier gilt generell natürlich auch das jeder Streamer machen kann, was er will. Im Grunde ist es auch genau richtig, dass zu tun woran man selbst am meisten Spaß hat. Die Freude und Begeisterung schlägt dann oft von allein auf die Zuschauer über.
Doch muss man sich immer der Tatsache bewusst sein, dass Geschmäcker eben verschieden sind. Wenn ihr also in eurem Stream Wert auf bestimmte Genres legt, macht euch darauf gefasst, dass euch hauptsächlich nur Zuschauer begleiten werden, die euren Geschmack teilen. Leute, die sich mit euren Inhalten nicht identifizieren können, werden dementsprechend eher fernbleiben.
Wenn ihr dann das Interesse der Zuschauer noch erhalten bzw. vergrößern wollt, traut euch ihnen etwas neues zu bieten. Abwechslung garantiert euch ebenfalls, dass auch Leute aus anderen Interessensbereichen sich dafür entscheiden werden, euch regelmäßig zuzusehen. Vor allem dann, wenn ihr ihnen auch Alternativen zu dem bieten könnt, was andere Streamer immer wieder in einer Endlosschleife senden.

FAZIT

Die Punkte, die ich hier angesprochen habe sind bei weitem nicht alles, um einen guten Streamer aus jemanden zu machen. Es sind vor allem Eigenschaften, die mir in letzter Zeit negativ an anderen Streamern aufgefallen sind.
Um den Zuschauern wirklich etwas qualitativ hochwertiges bieten zu können, braucht man eben nicht nur die Möglichkeit in Full HD mit gutem Sound zu streamen sondern auch einen ausgeglichenen, toleranten Charakter mit einer Portion Ausdauer und Geduld. Letztendlich sollte man einfach darauf achten, dass man den Spaß an der Sache nicht verliert und vielleicht auch versucht ein gewisses Niveau zu erhalten. Wenn man dann noch kontinuierlich am Ball bleibt und seine Livestreams einmal in den üblichen sozialen Netzwerken ankündigt, sollte schon bald einer tollen Community und vor allem einem großartigen Streamerlebnis nichts mehr im Wege stehen.

Ein Gedanke zu “Vom Livestreamen und seinen Tücken…

  1. Ein sehr gelungener Artikel, merke leider bei mir auch schon das wenn ich keine lust habe es weder für mich noch für mein Publikum ein schöner Stream wird, deshalb streame ich nur wenn ich es möchte.

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