Panelyzed: »Saga« von Brian K. Vaughan und Fiona Staples

Um meinen Horizont abseits von den Mainstream DC und MARVEL Titeln zu erweitern, habe ich mich mal in die erste Volume von »Saga« eingelesen. Der Comic soll ja schließlich zu den besten Erscheinungen der letzten Jahre gelten. Meinen ersten Eindruck von dem Sci-Fi-/Fantasy-Epos erfahrt ihr hier.

Der Inhalt:
»Saga«
handelt von dem Krieg des Planeten »Landfall«, dessen Bewohner vor allem für ihre Flügel und ihren technischen Fortschritt bekannt sind, und dem Mond »Wreath«, dessen Bewohner Hörner tragen und mit Magie umgehen können. Aus diesem Krieg heraus entspringt ein Liebespaar bestehend aus den verfeindeten Seiten. Die beiden Soldaten Marko, der von Wreath stammt, und Alana von Landfall. Beide dersertieren und befinden sich nun, zusammen mit ihrem frisch geborenen Nachwuchs, auf der Flucht. Verfolgt werden sie dabei nicht nur von den Aristokraten-Robotern Landfall’s sondern auch von sogenannten »Freelancern« bzw. Kopfgeldjägern. Erzählt wird dem Leser die ganze Geschichte von Hazel, der Tochter der beiden.

Die Künstler:
Als Autor zeichnet sich Brian K. Vaughan verantwortlich, der zuvor auch schon für MARVEL und vor allem DC an diversen Titeln arbeitete. Im Comic-Bereich dürfte er aber am meisten für die Serien »Y: The Last Man« und »Ex: Machina« bekannt sein.
Auch für das Fernsehen ist er als Autor tätig. Zum einen für die Serie »Lost« und aktuell für die, meiner Meinung nach, weniger geglückte Adaption von Stephen King’s »Under the Dome«.
Die Zeichnungen stammen von Fiona Staples. Leider kenne ich bisher persönlich keine ihrer vorherigen Arbeiten, will sie aber der Vollständigkeit halber hier kurz auflisten: »North 40«, »DV8: Gods and Monsters«, »T.H.U.N.D.E.R. Agents«.

Die Veröffentlichung:
Verlegt wird der US-amerikanische Titel von Image Comics, dem selben Verleger von Robert Kirkman’s »The Walking Dead« oder Scott Snyder’s »Wytches«. Die Serie erscheint seit der ersten Ausgabe im März 2012 monatlich und umfasst derzeit 24 Einzelausgaben, die auch als 4 Volumes erhältlich sind. Kürzlich wurden auch die ersten 18 Ausgaben als »Saga Book One: Deluxe Edition« mit jeder Menge Zusatzmaterial veröffentlicht.
Dank der teilweise expliziten Darstellungen von Sex und Gewalt erhielt »Saga« eine Alterseinstufung von „17+ only“.

Mein Eindruck:
Ich habe mich vor allem für »Saga« entschieden, weil sich das Setting aus Fantasy und Sci-Fi gut auf die Rollenspielwelt von »Shadowrun« übertragen lässt, die mich derzeit fasziniert. Zwar gibt es grundlegende Unterschiede zwischen den beiden voneinander unabhängigen Welten doch kann man ebenso einige Elemente wiedererkennen und fühlt sich deshalb recht schnell heimisch.
Der generelle Ton ist recht derb und weniger poetisch. Besonders gut gefällt mir aber die Erzählerperspektive von Hazel, deren Erinnerungsbericht den Rahmen für die Handlung bietet. Dadurch kann Vaughan als Autor sehr geschickt Anspielungen auf zukünftige Ereignisse in das Geschehen einflechten, die mir Lust auf mehr machen. Die Handlung bleibt allerdings nicht die ganze Zeit nur bei Marko, Alana und Hazel sondern springt auch zu deren Antagonisten. Dem Prinzen Roboter IV der gezwungener Maßen die Verfolgung aufnehmen muss aber eigentlich nur die Fortpflanzung und somit auch den Fortbestand seiner Art im Kopf hat. Ausserdem den beiden Freelancern »The Will« und »The Stalk«, die unabhängig von einander auf die Jagd nach dem Paar geschickt werden, die aber eine gemeinsame Vergangenheit verbindet.
Volume 1 beschreibt hauptsächlich die Flucht der jungen Familie von dem Planeten »Cleave« und bereichert sie durch sozialkritische Details.
Was Saga aber wirklich ausmacht sind die skurilen Charaktäre und Wesen, die die Welt bevölkern. Die Aristokraten-Roboter mit ihren Monitorköpfen, Der Kopfgeldjäger »The Will« mit seiner »Lying-Cat«, die erkennt ob jemand lügt und so weiter und so fort.
All diese Elemente sorgen für einen grossartigen, emotionalen Mix aus Dramatik und Humor.
Die Zeichnungen stechen vor allem hervor, weil es Staples sehr gut gelingt, den Charakteren, in Form der Mimik, Emotionen ausdrücken zu lassen. Ihren Stil würde ich am ehesten als kantig und rau bezeichnen, mit nur sehr wenigen abgerundeten Linien.
Nicht sonderlich begeistert bin ich von der Colorierung der Figuren, wo man – anders als das Cover vermuten lässt – sehr spartanisch mit den Abstufungen von verschiedenen Farbtönen sowie weichen Verläufen umgeht. Die Schattierungen sind stets mir harter Kante und unterscheiden sich vom Grundton nie mehr als eine Stufe, was bei mir nicht so wirklich den Anschein von Plastizität erwecken will. Sobald aber Feuer oder Magie-Effekte in einem Panel auftauchen, bricht man mit diesem Grundsatz auf, was diese einzelnen Panels auch immer zu einem Highlight für mich werden lässt.
Alles in allem hat mich die erste Volume von »Saga« gefesselt und ich freue mich schon darauf auch die weiteren Exemplare zu lesen und zu erfahren, wie Hazel aufwächst und wie es ihren Eltern ergehen wird.

Weiterführende Links:
»Saga« bei Image Comics
»Saga« bei Comixology

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