Open VoD Feature Check: Optionale Audiospuren

Hin und wieder mache ich mir Gedanken darüber, was für tolle Features das Leben von Content Creatorn und Zuschauern auf öffentlichen Videoplattformen, wie YouTube, Daily Motion etc., bereichern könnten. Die Implementierung solcher Funktionen stehen aber häufig vor Herausforderungen, die die Betreiber nicht so einfach lösen können. Der heutige Gedankenblitz ist vielleicht nicht sonderlich originell, dennoch fragt man sich, wieso es sie bisher noch nicht gibt, die zusätzlichen Audiospuren.

Die Idee

Wie gesagt, ist das Prinzip von zusätzlichen Audiospuren, die zu den bereits bestehenden Videos hochgeladen werden könnten, nicht neu. Optionale Audiospuren kennen die meisten von uns noch von DVDs oder Blu-Rays, wo diese Funktion hauptsächlich für unterschiedliche Spuren für die Sprache genutzt wurde. So war es möglich den Lieblingsfilm bzw. die Lieblingsserie problemlos entweder im O-Ton oder einer anderen Sprache zu schauen.
Zusätzlich war es möglich, zum O-Ton des Films aber auch zusätzliche Kommentare des Produktionsteams zu schalten, die Einblicke hinter die Kulissen gewährten.

Der ein oder andere wird jetzt sicher aufschreien: „Halt! Moment, klar gibt es das bei Video on Demand!“. Stimmt schon. Bei kostenpflichtigen Diensten, wie Netflix, Amazon Prime usw. aber um die geht es hier ja nicht. Die Antwort zu der Frage „Und wieso haben die das zum Beispiel YouTube nicht?“ gibt es im späteren Verlauf dieses Artikels. Doch zurück zur eigentlichen Idee.

Technisch sähe das ganze so aus, dass man eben im Videoplayer verschiedene Checkboxen hat, die steuern, welche Audiospuren gerade abgespielt werden. Der Uploader bekäme eben noch zusätzliche Möglichkeiten parallel zu den Videouploads (in denen sich ja standardmäßig bereits eine Audiospur eingebettet befindet, sinnvoller Weise die Atmo) oder danach die zusätzlichen Audiofiles hochzuladen. Natürlich könnte man im Player noch begrenzen, dass die Nutzer immer nur eine optionale Spur aktiviert haben, da multiple, optionale Spuren zu einer akustischen Überlagerung führen könnten, die ggf. nicht unbedingt angenehm sein dürfte. Der Uploader müsste dann eben eine Standard-Spur festlegen, die zusätzlich zu der im Video eingebetteten Spur abgespielt wird, sobald der Nutzer einfach nur auf Play klickt.

Für wen ist es gedacht?

– Kommentar:
In Bereichen wie Sport, Gaming (Let’s Plays), dem Dokumentarfilm bzw. eben auch des Videojournalismus etc. gibt es im VoD-Bereich schon lange unzählige Videos, die auf eine Mischung zwischen dem Off-Kommentar und der Atmosphäre des Sportereignisses, des Videospiels oder eben der Situationsaufnahmen setzen. Manchmal wäre es für den Zuschauer aber auch interessant einfach nur die Atmosphäre der genannten Beispiele zu genießen. Den Kommentar als optionale Audiospur anzubieten wäre hier sehr hilfreich.

– Upload:
Rechtliche Probleme machen es auf öffentlichen Videoplattformen häufig erforderlich zumindest den Ton eines Videos mit urheberrechtlich bedenklichem Material auszutauschen. Auf YouTube sieht die einzige Alternative zum kompletten Löschen und Neu-Uploads nach der Bearbeitung des Videos bisher so aus, dass man aus einer Bibliothek von Musikstücken wählen und damit den kompletten Ton des Videos ersetzen kann. Multiple Audiospuren würden es aber ermöglichen „On the Fly“ einfach die bearbeitete Audiospur hochzuladen, als Standard festzulegen und dann die kritische Spur zu löschen.

– International:
Videoplattformen werden häufig mit ein und dem selben Video mit unterschiedlichen Sprachvarianten überflutet. Zum Beispiel wird ein lustiges amerikanisches Animationsvideo veröffentlicht, das kurz darauf auf Grund seiner Beliebtheit von deutschen Fans neu gedubbt, also synchronisiert, und dann erneut hochgeladen wird. Dies stellt an sich ohne Genehmigung eine Urheberrechtsverletzung da. Ein anderes Szenario könnte aber eben die internationale Zusammenarbeit im VoD Bereich fördern, wenn solche „Fan-Dubs“ einfach vom ursprünglichen Creator per zusätzlicher Audiospur hochgeladen und per Anmerkung in der Informationsbox ein Rechtehinweis für den Audioteil hinzugefügt werden. Natürlich müsste an dieser Stelle auch ein Weg gefunden werden, die Monetarisierung zu regeln aber das würde jetzt zu weit führen.

Die Schwierigkeiten

– technisch
Die größten technischen Schwierigkeiten dürften eben vor allem der Aufwand bei der Implementierung eines solchen Features und dem Hosting auftreten.
Letzteres nenne ich nur, da man sicher danach fragen würde. Selbst denke ich aber, dass die Masse an komprimierten Audiospuren sicherlich ansteigen im Vergleich zum Volumen, dass die Videofiles einnehmen, aber nicht wirklich ein Problem darstellen dürfte. Natürlich hänge ich aber auch nicht gerade in Googles Rechenzenter rum, weshalb das nur eine Annahme ist.
Mit entsprechenden Richtlinien, welche Audioformate hochgeladen werden dürfen, hielte man sicher auch den Kodierungsaufwand in Schach.
Die Implementierung dürfte bei bestehenden Videosystemen, wie YouTube schon eher Kopfschmerzen bereiten, da daran eben auch Dinge, wie das Content ID System angebunden sind, dass automatisch alle Tonspuren auf urheberrechtlich-geschütztes Material prüft.

– rechtlich
Die größte rechtliche Schwierigkeit bildet sich vor allem bei der Zielgruppe der Kommentatoren und Videojournalisten, die einen Großteil ihres Videomaterials nur im Zusammenhang mit ihrem kritischen Kommentar veröffentlichen dürfen. Fügt man allerdings die Option hinzu sich eben nur die Atmosphäre anzuschauen (im Stadion beim Sportereignis oder eben nur das Gameplay eines Videospiels) bewegt man sich rechtlich auf schon ziemlich gebrochenem Eis. Dies würde eine 1:1 Wiedergabe des geschützten Materials und somit einen Löschungsgrund für das Video bedeuten.
Auf kostenpflichtigen Plattformen wird das durch die entsprechenden Lizenzen geregelt, die zuvor eingekauft wurden aber eben auch für den Endpreis sorgen. Auf öffentlichen Videoplattformen ist dies also bisher keine Option.

Fazit

Generell ist es Schade, dass wir dieses Feature vermutlich nie ohne eine kostenpflichtige Regulierung der  Mischung von Audio- und Videoinhalte und dem zusätzlichen Produktionsaufwand des Lizenz-Erwerbens auf öffentlichen Videoportalen erhalten werden. Ich persönlich denke, dass die Möglichkeiten durchaus das Video on Demand-Erlebnis bereichern, die kreativen Prozesse und vielleicht sogar die internationale Zusammenarbeit von Videoproduzenten fördern könnten. Die Urheberrechtlichen Probleme, die das System allerdings mit sich bringt, werfen dem Ganzen einen gewaltigen Stock zwischen die Beine.

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